„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“, so klingt es in meinem Herzen nach einem alten Ohrwurm des berühmten evangelischen Liederdichters Paul Gerhardt. Dieses Jahr 2026 feiern wir Paul-Gerhardt-Jahr in der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Da passt sein Klassiker umso mehr zu diesem Sommer! Er wird nach wie vor gern gesungen in vielen Kirchengemeinden, auch bei uns.
Ich freue mich auf die Sommerzeit und vielen von Ihnen geht es sicher auch so. Endlich blühen die Blumen und Bäume wieder. Endlich sind die Tage wieder lange hell. „Vitamin B“ heißt es ja sogar, werde mit dem Sonnenlicht aufgenommen. Und der Sommer erscheint mir dieses Jahr wie eine Vitaminkur nach dem langen Winter und dem Frühling, in dem es dieses Jahr öfters geregnet hat.
Zu den Freuden des Sommers gehört für mich auch das Reisen in den Urlaub. Andere Gegenden, Länder und Kulturen kennenzulernen, neue Menschen zu treffen, die Natur – Gottes Schöpfung zu bestaunen, all das verbinde ich mit der Sommerzeit. Auch wer nicht fortfährt und zu Hause bleibt, kann viele schöne Dinge erleben in unserer Stadt Berlin und im Umland. Zahlreiche Schlösser, Kirchen, Museen und Ausstellungen sowie Kirchen laden zu Besuchen ein.
Eine gute Gelegenheit die Natur zu erleben ist der Spandauer Pilgerweg, auf dem man sozusagen beim Wandern mit den Füßen beten kann. „Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide.“ So heißt es in der 2. Strophe des Lieds von Paul Gerhardt. Beim Wandern oder Pilgern gelingt es mir besser, mich aufmerksam auf diese Wunder der Natur einzulassen. Dann kann ich Staunen über knorrige alte Baumstämme und das grüne Kleid der Blätter in ihren Kronen. Oder auch über die grüne Weite der Wiesen. Die Natur ist für mich entschleunigend. Ich komme zur Ruhe und kann dem Gesang der Vögel lauschen, wie es in der 3. Strophe heißt: „Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.“
Vielleicht fahren Sie auch zum Baden in einen der schönen Seen Berlins, wie den Wannsee oder den Nikolassee. Ja sogar der Spektesee hat eine Badestelle. Die Erfrischung im kühlen Nass, sie hat bestimmt auch Paul Gerhardt schon genossen: „Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten“ (5. Strophe). Die Myrte gehört zu den immergrünen Sträuchern und Bäumen. Unter ihren zahlreichen grünen Zweigen kann man Schatten finden. Wie wohltuend ist das doch an heißen Sommertagen!
Neulich war ich unterwegs in Brandenburg. Ich staunte über die weiten gelben Rapsfelder. Sie erinnern mich an meine Heimat. Paul Gerhardt freute sich am Weizen und „rühmt die große Güte des, der überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte“ (Strophe 7).
Wenn ich durch die Natur gehe, dann kann ich Paul Gerhardt gut verstehen, dass er singt:
„Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.“ (Strophe 8)
Die Natur lädt uns ein zum Lobpreis Gottes. Und sie kann uns Lust schenken, uns neu wieder dem Leben zuzuwenden, mit allen Kräften, die sie uns schenkt. Vielleicht entdecken ja auch Sie dabei die Freude, von der Paul-Gerhardt singt. Amen.
Ihr Pfarrer Vinzent Dirzus