Neue Ordnung Texte & Lieder

Alles auf Anfang? Jedenfalls ein bisschen: Die Ordnung der gottesdienstlichen Texte und Lieder wurde erneuert

Liebe Geschwister,

„Schon wieder eine neue Ordnung…“, werden einige denken. Nicht ganz! Erstens ist sie nicht ganz neu, zweitens dreht sie sich um das Wichtigste in unserer Kirche: die VerkĂĽndigung. Sie ist der Herzschlag unseres Auftrages – mit der Schrift weitergeben, was uns gegeben ist. Die VerkĂĽndigung folgt das Kirchenjahr hindurch einer Ordnung von Lesungen (kurz Perikopenordnung); auch Wochenlieder sind in ihr enthalten. Sämtliche Kirchen in der EKD sind  durch diese gemeinsame Lese-Ordnung miteinander verbunden. Zu jedem Sonn- und Festtag gibt es einerseits drei feste Lesungstexte (Altes Testament, Epistel, Evangelium), andererseits drei zusätzliche Predigttexte. So ergibt sich eine Perikopenordnung ĂĽber sechs Jahrgänge. Im Laufe von sechs Jahren kommen die ausgewählten (wörtlich: Perikope – das Herausgehauene, also: die aus dem biblischen Gesamtzeugnis „herausgehauenen“) Texte als Predigttexte dran.

Die bisherige Ordnung war seit 1977/78 in Geltung und wurde zwischenzeitlich hier und da  geringfĂĽgig verändert. Bereits 1995 stand die Frage nach einer größeren Ăśberarbeitung im Raum. Nach erneutem Anlauf,  nach sechs Jahren vorbereitender Ăśberlegungen und Konsultationen und nach  einer einjährigen Phase, in der die neue Ordnung bereits einmal erprobt wurde (2014/2015), nun der Neustart.

Warum war das nötig? Schon lange gab es Kritik daran, dass in manchen Jahren nur Evangeliums-, in anderen nur Episteltexte als Grundlage fĂĽr die Predigt dienten. „Mehr Durchmischung“ als Hilfe fĂĽr Hörende und Predigende wurde gefordert und jetzt umgesetzt.  Dazu gab es den Ruf, dass die Vielfalt des biblischen Zeugnisses deutlicher vorkommen solle: mehr Texte aus dem Alten Testament! Mehr Texte, die die Lebensverhältnisse von Frauen thematisieren! Und dafĂĽr bitte weniger Dopplungen!

Mehr alttestamentliche Texte, mehr thematische Textvorschläge zu lebensweltlichen Gelegenheiten, Gedenktage, die einen festen Ort in der neuen Ordnung erhalten haben,  mehr Liedgut aus neuerem Repertoire unter den Wochenliedern, das sind Kennzeichen der in der Summe behutsam erneuerten Ordnung der Lesungen und Lieder. Besonders hervorheben will ich, dass in den sechs Jahren von Reihe I bis Reihe VI etwa 70 neue alttestamentliche Texte zu hören sein werden. Biblische Figuren wie Hagar, Rut und Rahab erscheinen erstmals in der Ordnung der Texte, gut so; die fĂĽnf BĂĽcher Mose, aber z.B. auch das Buch Hiob erhalten  mehr Gewicht; und ebenso erfreulich: Es begegnen uns endlich Psalmen als reguläre Predigttexte.

Auch die Zahl der Sonntage zwischen Epiphanias und dem ersten Sonntag der Passionszeit ist neu geregelt. Die Weihnachtszeit endet mit der Woche, in der der 2. Februar liegt (Darstellung des Herrn oder volkstĂĽmlich: Lichtmess). In der Regel werden es also vier Sonntage der Epiphaniaszeit sein. Eine weitere Neuerung halte ich fĂĽr bemerkenswert: FĂĽr den 27. Januar, den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, und den 9. November, den Tag des Gedenkens an die Novemberpogrome, sind  Leseordnungen erarbeitet worden. Es ist gut und richtig, dass wir uns an diesen Tagen gemeinsam innehalten lassen, mit Gottesdienst, Lesung und Gebet.

Im neuen Perikopenbuch, das mit der diesjährigen Adventszeit sicher auch in Ihrer Gemeinde  in Gebrauch genommen wird, werden Sie eine Besonderheit feststellen: Jeder Sonn- und Feiertag hat eine knappe EinfĂĽhrung und nimmt damit leicht in Klang und Farbe des jeweiligen Sonn- oder Feiertags hinein. Den Vortrag der Texte erleichtern soll vor allem die Gliederung in Sinnzeilen.

Viele Gemeinden unserer Landeskirche haben am Erprobungsverfahren teilgenommen, haben zugehört, diskutiert, kritisiert und bejaht, was im Erprobungsentwurf angedacht war. DafĂĽr danke ich allen Beteiligten sehr herzlich, danke allen Menschen auch im VerkĂĽndigungsdienst, die so engagiert RĂĽckmeldungen verfasst haben; sie sind allesamt  im Amt in Hannover gesammelt und dann ausgewertet worden. Und das Resultat der mehrjährigen Erprobung? Es kann sich sehen und hören lassen.

Ab wann gilt die neue Ordnung? Praktisch sofort, ab  dem 1. Advent 2018, dem Auftakt des neuen Kirchenjahres. An diesem besonderen Sonntag des Kirchenjahres werden Sie aber keine  groĂźen Veränderungen erleben. Das vertraut und lieb Gewonnene wird auch am 1. Advent und darĂĽber hinaus zum Klingen kommen.

Ăśbrigens: Am 1. Advent beginnen wir mit dem Predigttextjahrgang I.

Ihr Probst Dr. Christian Stäblein

 

 

Quelle: 9. Januar 2019 https://www.ekbo.de/glaube/gottesdienst/perikopenrevision.html