„Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün.“ So heißt es in einem Volkslied, das 1791 Mozart vertont hat. Wer ersehnt sie nicht? Die grünenden Bäume und Wiesen im Mai und Juni mit strahlendem Sonnenschein?
Endlich wieder auf einer Parkbank sitzen und die Seele baumeln lassen. Oder das Angrillen im Garten. Oder abends dem Sonnenuntergang zuschauen auf einem der schönen Hügel Berlins. Der Übergang vom Frühling zum Sommer hat viel zu bieten. Kulturelle Veranstaltungen und Feste finden wieder draußen statt.
Überhaupt sind der Mai und Juni eine Zeit der Feste – vielerorts bekannt ist der Tanz in den Mai. Am 24. Mai feiern wir dieses Jahr das Pfingstfest. „Schmückt das Fest mit Maien“, so heißt ein bekanntes Pfingstlied, im Evangelischen Gesangbuch Nummer 135. „Maien“, das ist ein altes Wort für Birken, mit denen vielerorts zu Pfingsten die Kirchen geschmückt werden. Sie treiben im Frühjahr gerade aus und tragen zarte, grüne Blätter. Vom Monat Mai haben sie ihren Namen. Das Grün der Blätter erinnert daran, dass Grün die Farbe der Hoffnung ist.
Hoffnung brauchen wir für die Welt, die derzeit durch viele kriegerische Konflikte, ökologische und soziale Krisen geprägt ist. Der Monatsspruch für Mai will uns Hoffnung machen: „Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“ (Hebräerbrief 6,19)
Auch die Gemeinden, an die sich der Schreiber des Hebräerbriefes richtet, lebten in einer Zeit der Krisen und Bedrängnisse. So verweist er auf das Bild des Ankers. Ein Anker macht ein Schiff fest, so dass es nicht ziellos im Meer herumtreibt. Der Anker, den er beschreibt, reicht bis in den Himmel, wo Christus selbst bei Gott fürbittend für uns eintritt (Hebräer 6,19f. und 9,24). Gerade in der damaligen Zeit der Bedrängnis vertraut also der Schreiber des Hebräerbriefes auf die Verheißung, das Versprechen Gottes (Hebräer 6,12).
Auch wenn wir heute in einer anderen Situation leben als die damaligen Gemeinden, so können wir doch von ihrer Situation lernen. Denn auch wenn noch längst nicht Gottes Verheißung des allumfassenden Friedens erfüllt ist, so haben wir doch schon jetzt in Christus die Verbindung zum Himmel, zu Gott selbst.
Aus dieser Verbindung des Glaubens, des Vertrauens auf Gott und der Hoffnung heraus haben immer wieder Menschen sich für Frieden und Versöhnung in der Welt eingesetzt. Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, Dorothee Sölle und viele andere. Auch in unserer Zeit gibt es viele solcher Menschen und sie machen mir Hoffnung. Ein Beispiel sind der Israeli Rami Elhanan und der Palästinenser Bassam Aramin. Beide Väter haben ihre Söhne durch die gegenseitigen Konflikte verloren. Trotzdem lassen sie sich nicht zum Hass verleiten, sondern haben zusammen eine Organisation gegründet: Parents Circle – Families Forum (PCFF). Im Teilen des Schmerzes finden sie einen Weg, sich für Versöhnung einzusetzen in Familien, Schulen und Gemeindezentren. Für mich ist das ein Zeichen, dass das Festhalten an der Hoffnung auf Frieden auch in unserer Zeit Sinn macht.
Denn Frieden beginnt nicht erst mit Weltpolitik, sondern dort wo ich in meinem Umfeld auf Menschen zugehe und gemeinsam mit ihnen nach Wegen für ein gutes Zusammenleben suche. Auch im Falkenhagener Feld gibt es Orte, an denen das Wirklichkeit wird, wie „Gemeinsam gegen Einsamkeit“ oder das regelmäßige Interreligiöse Friedensgebet mit der Kita.
In Gott finden wir einen Anker der Hoffnung, der uns auch heute Kraft schenkt, Frieden miteinander zu leben. Möge diese Hoffnung auch in unserem Leben grünen. Amen.
Ihr Pfarrer Vinzent Dirzus