Liebe Gemeinde!
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29) Diese Worte Jesu sind Teil des Monatsspruchs für April dieses Jahr.
Ich bin ein Mensch, der gern sieht. Ich liebe es, mit offenen Augen durch die Stadt und die Natur zu spazieren. Neulich ging ich in einem Park spazieren und entdeckte mitten im Schnee einen Hasen. Ob das wohl schon der Osterhase war? Für mich war diese Begegnung ein Bild für unsere christliche Hoffnung: Trotz allem Kalten in der Welt wird sich das Leben zum Sieg verhelfen! Und das gilt nicht nur für die Natur.
Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Jesus Christus zu Ostern den Sieg des Lebens errungen hat. Er ist uns in das neue Leben vorausgegangen und seitdem ist der Tod nicht mehr der Endpunkt unseres Lebens. Unser Leben wird verwandelt in eine neue Form des Seins.
Gerade bei Trauergesprächen merke ich, wie wichtig doch diese Hoffnung für die Menschen ist. Unser Leben geht nicht auf im Nirgendwo, sondern es bleibt aufgehoben und findet Geborgenheit bei Gott. Bei dem Gott, der uns liebt! Diese Zusage Gottes, die wir an Ostern feiern, schenkt mir ein Grundvertrauen, mit dem ich durchs Leben gehen kann. Und auch die Wissenschaft zeigt, wie wichtig solch ein Grundvertrauen für uns Menschen ist.
Ostern ist also nicht nur das Fest des Osterhasen, sondern es ist vor allem das Fest des Sieges unseres Herrn Jesus Christus über den Tod und alles Todbringende in dieser Welt, des Sieges über die Hoffnungslosigkeit. Ohne Hoffnung können wir Menschen nicht leben. Hoffnung ist auch die positive Kraft, mit der wir Menschen die Zukunft gestalten können. Denn ohne Hoffnung gibt es keine Zukunft.
Mir persönlich macht der Glaube der Jugendlichen in unseren beiden Gemeinden im Falkenhagener Feld Hoffnung. Sie zeigen uns, dass der Glaube weitergelebt wird, auch in Zukunft! Denn wir Menschen sind immer auf Vertrauen angewiesen. Und das biblische Wort für Glaube ist eben Vertrauen! Auf Jesus Christus, den Auferstandenen können wir unser ganzes Vertrauen setzen. Er ist der Anker unserer Hoffnung. In ihm gründet unsere Hoffnung als Christinnen und Christen und er ist auch das Ziel unserer Hoffnung. Wenn ich mir nämlich der Gegenwart Jesu Christi in meinem Leben bewusst bin, dann herrscht bei mir nicht Hoffnungslosigkeit, sondern Vertrauen. Das Vertrauen darauf, dass Gott immer an unserer Seite ist, trotz allem, was schwer ist in dieser Welt und in unserem Leben.
Trotz dessen, was auch schwer ist zu verstehen. Denn oft nehme ich die Gegenwart Gottes in meinem Leben kaum wahr. Still und unscheinbar begleitet sie mich, wächst auch unter allem, was kalt und bedrückend ist in dieser Welt. Und auch wenn ich jetzt den Frühling noch nicht sehen kann, im eisigen Winterwetter, so vertraue ich doch, dass das Leben wieder aufblühen wird.
Und ähnlich ist es mit dem Glauben. Wir gehen unseren Weg als Glaubende und nicht als Schauende (2. Kor 5,7). Wir gehen aber unseren Weg nicht ohne Grund, sondern wir vertrauen auf jene, die als Augenzeuginnen und Augenzeugen Jesus Christus, dem Auferstandenen in ihrem Leben begegnet sind: Den Frauen am Grab, den Aposteln wie Thomas, dem Jesus gesagt hat: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29) und auch den anderen Jüngerinnen und Jüngern.
Die Passions- und Osterzeit soll uns helfen uns wieder in diese Geheimnisse unseres Glaubens einzuleben. In dieses Vertrauen, dass uns tragen kann, selbst wenn der Boden unter unseren Füßen einmal ins Wanken gerät, weil unsere Hoffnung gründet im Sieg des Lebens!
In diesem Sinne gesegnete Ostern
Ihr Pfarrer Vinzent Dirzus