Wort zur Zeit

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Ein Blick aus dem Fenster.
Der Himmel: ein tiefes Meer von Blau. Die Sonne, sie lacht.
Fr├╝hling. Freiheit.
Endlich wieder drau├čen sein.
Beobachten, wie alles bl├╝ht.

Und pl├Âtzlich ├╝bermannt uns der Feind von au├čen.
Einer, mit dem wir nie gerechnet h├Ątten.
Stadtmauern. Luftkorridore. Nationale Grenzen. Sie interessieren ihn nicht.
Min├╝tlich kommt er uns n├Ąher. Die Bilder im Netz, im Fernsehen.
Wie in einem apokalyptischen Hollywoodfilm. So scheint es.
Panik. D├╝stere Prognosen. Warnungen. Jeden Tag aufs Neue.
Nicht mehr rausgehen. Unvorstellbar.
Ich zittere. Doch ich muss die Seelen der anderen beruhigen.
Hoffe, dass sie mein Zittern nicht merken.

Durchatmen. Hinsetzen. Eine Kerze anz├╝nden. Denke ich.
Und dann bete ich. Zu Dir.
Jeden Tag. Wie immer. Nur intensiver.
Langsam legst Du einen Schleier der Ruhe ├╝ber mein Herz.
Die z├Ąrtliche Ber├╝hrung Deiner Hand scheint zu sagen:
F├╝rchte Dich nicht. Hab keine Angst.
Und irgendwann lasse ich mich fallen.
Weil ich f├╝hle, weil ich wei├č: Du bist da,
durch all unsere Bedr├Ąngnis hindurch, die Du selbst nur zu gut kennst.
Ich wei├č, Du bist da.
Und ich wei├č: Du hast uns nicht gegeben einen Geist der Furcht
sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Wie ein Mantra spreche ich diesen Satz immer und immer wieder.

Ich wei├č, es ist eine schwere und ungewisse Zeit f├╝r uns alle jetzt.
Ich wei├č aber auch, dass wir sie ├╝berstehen werden.
Und wir k├Ânnen sie als Chance nutzen.
Als Chance, zu tun, wozu wir sonst nie kamen.
Menschen anzurufen, die wir fast vergessen hatten.
Aus unserer Gemeinde. Freunde. Verwandte.

Wir k├Ânnen diese Zeit als Chance nutzen,
einfach nur innezuhalten und uns zu besinnen.
Als Chance, zusammen mit der ganzen Welt eine Auszeit zu nehmen,
und zu sehen: Die Delphine in Venedig kommen zur├╝ck!

Ich wei├č, es ist eine schwere und ungewisse Zeit f├╝r uns alle jetzt.
Ich wei├č aber auch, dass wir sie ├╝berstehen werden im Vertrauen auf Gott.
Und ich wei├č: Hinterher werden wir nicht mehr dieselben sein.
Und die Welt ist vielleicht ein St├╝ck n├Ąher zusammenger├╝ckt.
So meine Hoffnung!

Bleiben Sie gesegnet und beh├╝tet, und vor allem gesund!

Ihre
Pfarrerin Axinia Sch├Ânfeld