Neues aus unserer Landeskirche

Propst C. Stäblein wird neuer Bischof der EKBO

Die Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz (EKBO) hat auf Ihrer Frühjahrstagung am 5. April 2019 den Propst der EKBO, Dr. Christian Stäblein, zum neuen Bischof der Landeskirche gewählt. Er folgt damit Bischof Dr. Markus Dröge nach, der im November nach Ablauf seiner zehnjährigen Amtszeit in den Ruhestand gehen wird. Christian Stäblein wurde im zweiten Wahlgang mit der nötigen Zweidrittelmehrheit gewählt. Er erhielt 76 der abgegebenen 113 Stimmen.

Die Amtsübergabe wird im Rahmen eines Festgottesdienstes am 16. November 2019 in der St. Marienkirche in Berlin-Mitte stattfinden, der im rbb-Fernsehen übertragen wird. Bischof Dröge gratulierte dem designierten Nachfolger: „Ich sende meine herzlichen Glückwünsche an Propst Christian Stäblein zur Wahl als Bischof der EKBO. Möge Gottes Segen den neuen Bischof in diesem wunderbaren und herausfordernden Amt begleiten, das auszufüllen in unserer lebendigen, bunten und vielfältigen Kirche viel Freude macht, wie ich in den vergangenen zehn Jahren voller Dankbarkeit erfahren durfte.“ Auch die Präses der Synode, Sigrun Neuwerth, freut sich über die Wahl und dankte den anderen Kandidaten: „Ich freue mich über die Wahl von Propst Christian Stäblein zum neuen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg–schlesische Oberlausitz und gratuliere von Herzen. Die Synode hatte die Wahl zwischen drei gleichermaßen hervorragend geeigneten, höchst respektablen Persönlichkeiten, denen ich für ihre Bereitschaft zur Kandidatur sehr herzlich danke. Die Synode hat nun entschieden, und wir freuen uns auf eine vertrauensvolle und fruchtbare gemeinsame Arbeit mit dem zukünftigen Bischof ab Mitte November. Möge Gottes Segen uns dabei begleiten!“ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte ebenfalls: „Zur Wahl zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz gratuliere ich Christian Stäblein von Herzen. Ich habe Christian Stäblein als einen profunden Theologen und zugewandten Seelsorger kennengelernt, der umfangreiche Erfahrung auf den unterschiedlichen Ebenen kirchlichen Leitungshandelns mitbringt. Er wird das alles im neuen Amt segensreich einbringen.“

Dr. Christian Stäblein wurde 1967 in Bad Pyrmont geboren und wuchs in Hannover auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie im Nebenfach Judaistik und Philosophie in Göttingen, Berlin und Jerusalem. Am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Göttingen arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent und wurde 2002 mit einer Arbeit über „Das jüdische Gegenüber in der evangelischen Predigtlehre nach 1945“ promoviert. Nach dem Vikariat in Grasdorf und der Ordination war er Gemeindepfarrer, zunächst in Lengede, später in der St. Martin-Kirche in Nienburg/Weser, ab 2008 dann Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars der Hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum. Seit August 2015 ist er Propst des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg–schlesische Oberlausitz (EKBO). In dieser Funktion obliegt ihm die theologische Leitung im Konsistorium, er ist zuständig für theologische Grundsatzfragen und leitet die Abteilung 2 „Theologie und Kirchliches Leben“. Als Propst wirkt er in einer Vielzahl von Gremien in der EKBO mit und nimmt eine rege Predigt- und Vortragstätigkeit in Gemeinden und Konventen wahr. Der 51-jährige ist Mitherausgeber der Predigtstudien. Christian Stäblein ist verheiratet und hat vier Kinder. Hintergrund: Der Bischof vertritt die Landeskirche in der Ökumene und in der Öffentlichkeit. Zu seinen Aufgaben zählt, Theologinnen und Theologen zu ordinieren und landeskirchliche Einrichtungen und Werke zu visitieren. Er ist zugleich Vorsitzender der Kirchenleitung.

Quelle: Pressestelle der EKBO (April 2019)

Verantwortung ĂĽbernehmen

Haltung zeigen

Wort der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz (EKBO) zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Mit diesem Wort möchte die Landessynode Menschen in der Kirche Mut machen, über aktuelle Herausforderungen des gesellschaftlichen Miteinanders zu sprechen. Es konzentriert sich auf drei Herausforderungen: soziale Gerechtigkeit, Miteinander in Vielfalt und Ringen um Wahrheit. Der Synode ist bewusst, dass unsere Kirche dem hier formulierten Anspruch oft nicht gerecht wird. Das Wort soll als Grundlage und Orientierung für ein Gespräch dienen, für ein gemeinsames Ringen um das gebotene Zeugnis des Evangeliums in dieser Zeit. Dieses Wort der Landessynode versteht sich als Impuls und will zur Weiterarbeit anregen. Die Landessynode bittet darum, es auf weitere aktuelle Fragen (z.B. Klimawandel, Rüstung, Europa) zu beziehen.

I. Soziale Gerechtigkeit

Wir nehmen wahr, dass viele Menschen in unserem Land Sorge um ihr tägliches Auskommen haben. Der Abstand zwischen Arm und Reich ist weiterhin zu groß. Familien mit geringem Einkommen stehen am Rand der Gesellschaft. Wohnen wird – vor allem in den Städten – für viele nahezu unerschwinglich. Immer mehr Menschen sind auf Grundsicherung angewiesen; der Gang zur Tafel wird für sie zum Normalfall. Zugänge zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe werden aufgrund sozialer Herkunft und Lebenslagen erschwert. Einige Regionen haben kaum Anteil an der gegenwärtig positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Wir glauben: Leben in der Nachfolge Jesu heißt, dem vermeintlichen „Recht des Stärkeren“ zu widerstehen. Unser Eintreten für Menschen, die Abwertung, Ausgrenzung und Unterdrückung erfahren, ist Ausdruck unserer Beziehung zu Gott, der uns in Jesus Christus als Mensch und Anwalt der Armen
und Benachteiligten begegnet. Unser Auftrag ist das Evangelium, die gute Nachricht für alle Menschen. Diesem Evangelium allein sind wir verpflichtet. Wir setzen uns ein für soziale Gerechtigkeit in unserem Land. Aus der Kraft des Gebetes ist kirchliches Handeln anwaltschaftliches Handeln: Wir überprüfen unsere Sprache und unser Tun, weil wir in Armen und Benachteiligten nicht Empfänger vermeintlicher Wohltaten, sondern Partner und eigenverantwortlich Handelnde sehen. Wir setzen uns in Wort und Tat für Menschen ein, die von Armut betroffen sind. Benachteiligte Kinder haben in evangelischen Bildungseinrichtungen besondere Chancen. Wir verschließen die Augen nicht vor prekären, sogar ausbeuterischen Arbeits– und Wohnverhältnissen. Dabei spielt es für unser Eintreten keine Rolle, ob betroffene Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen oder aus dem eigenen Land stammen.

II. Miteinander in Vielfalt

Wir nehmen wahr, dass sich völkisches und rassistisches Denken, Reden und Handeln auch in unserem Land ausbreitet. Menschen und Menschengruppen werden wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer religiösen und kulturellen Herkunft oder wegen körperlicher, geistiger und seelischer Einschränkungen abgewertet und ausgegrenzt. Zunehmend werden Menschen durch Sprache, Haltungen und Taten erniedrigt und verletzt. Wir glauben an die versöhnende und befreiende Botschaft der Liebe, in der Christus uns begegnet. Jeder Mensch ist vor Gott einmalig. Individualität und Vielfalt der Gaben sind Ausdruck der Gnade Gottes. Alle Menschen sind dazu gerufen, den Wert menschlichen Lebens zu achten, ein menschenwürdiges Miteinander zu gestalten und insbesondere den Schwächeren beizustehen. Wir stellen uns schützend und öffentlich hörbar und sichtbar vor Menschen, die Ausgrenzung und diskriminierenden Erfahrungen, verbaler oder tätlicher Gewalt ausgesetzt sind. Wir öffnen unsere Räume für Menschen in Not. Wir ermutigen zum Widerstand gegen menschenverachtendes Reden und Handeln. Jede Form von Antisemitismus ist und bleibt unvereinbar mit dem biblischen Zeugnis und dem 14 Neues aus unserer Landeskirche christlichen Glauben. Wir unterstützen alle, die sich gegen Verachtung und Diskriminierung Anderer einsetzen und beteiligen uns an Netzwerken zur Stärkung von Zivilcourage.

III. Ringen um Wahrheit

Wir nehmen wahr, dass die Demokratie als Grundlage unseres Gemeinwesens infrage gestellt und untergraben wird. Autoritäre politische Kräfte beanspruchen, einen vermeintlichen Volkswillen zu kennen, für ihn zu sprechen und ihn durchzusetzen. Die Praxis der Lüge dringt in das öffentliche Leben ein. Tatsachen werden zum eigenen politischen und ideologischen Vorteil verdreht und damit die öffentliche Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit untergraben. Wir glauben: Lüge versklavt, doch die Wahrheit befreit. Jesus Christus steht mit dieser Verheißung in einer prophetischen Tradition, nach Wahrheit zu streben und sie auszusprechen – auch gegenüber denen, die Macht haben und sie einsetzen. Wir stellen uns in diese biblische Tradition mutiger Wahrhaftigkeit. Wir wehren uns gegen jede Politik, die auf manipulativen oder verfälschten Vorgaben aufbaut oder diese für sich nutzt. Wir nennen solche Versuche der Spaltung offen beim Namen. Respektlosigkeit, Manipulation, bewusst zerstörerischen Tabubrüchen oder Provokationen, die geltendes Recht untergraben, treten wir entschieden entgegen. Gemäß unserem Auftrag engagieren wir uns für einen offenen gesellschaftlichen Dialog. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen für das, was sie sagen, Verantwortung übernehmen. Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit muss unser gesellschaftliches Miteinander prägen.

Thomas Seibt, Vorsitzender (April 2019)

Die Europawahl

Warum sie fĂĽr Christinnen und Christen wichtig ist

Die Staaten Europas führten über Jahrhunderte hinweg immer wieder Krieg gegeneinander. Die Menschen pflegten Abneigungen und sprachen von „Erbfeinden“. Staaten vergrößerten ihre Territorien und erweiterten ihre Einflussbereiche jeweils auf Kosten der anderen. Und die Kirchen? „Gott mit uns“ stand auf den Gürteln deutscher Soldaten. EU UND OSZE Nach zwei mörderischen Weltkriegen reifte die Einsicht, dass Miteinander besser ist als Gegeneinander. Die europäische Union entstand mit dem Ziel, alte Feindschaften zu überwinden. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) versuchte während des Kalten Krieges, in ganz Europa eine gemeinsame Basis für Verständigung über den Eisernen Vorhang hinweg zu schaffen. Es wurden gemeinsame Interessen formuliert, Vertrauen aufgebaut und gegenseitig Sicherheit garantiert. Nach den friedlichen Revolutionen in Osteuropa integrierte die Europäische Union viele der neuen jungen Demokratien. HEIL IN DER NATION? Heute ist Frustration über die europäische Bürokratie weit verbreitet. Viele Menschen sind empört über ungleiche Entwicklungen – Reichtum hier, Armut dort. Dabei wird oft übersehen, dass für die Zähigkeit politischer Entscheidungsprozesse in Europa das Handeln der Regierungen in den Mitgliedsstaaten der EU verantwortlich ist. Manche Menschen glauben nun, das Heil ließe sich in nationaler Abschottung finden. Der Traum von in sich homogenen Vaterländern greift um sich. Natürlich gibt es noch vieles an der EU zu verbessern. Wie in jeder Demokratie gibt es Veränderungsbedarf, aber auch Potential. Dies gilt es zu stärken – und nicht das einzige Instrument demokratischer Selbstbestimmung, das europäische Parlament, abzuschaffen. In den letzten siebzig Jahren profitierten wir alle stark von der Eu- 22 Europawahl ropäischen Union: Wir konnten ohne Ausweiskontrollen reisen und dabei bezahlen ohne Geld wechseln zu müssen. Wir können überall auf dem Kontinent wohnen, studieren oder arbeiten. Deutschland als Exportnation profitiert ökonomisch stark von Euro und der Freizügigkeit. Das gilt es, mit der nächsten Europawahl zu erhalten. Als Christinnen und Christen sind wir nicht auf die Nation fixiert. Unser Vaterland ist im Himmel und doch sind wir in diese Welt gewiesen. Deshalb wäre eine christlich geprägte Nation anders als in der Geschichte eine, die sich nicht auf ihre sogenannten nationalen Interessen fixiert, sondern Frieden und Gerechtigkeit in der Welt anstrebt. Das geht nicht isoliert und ohne die Nachbarn.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus und die Evangelische Akademie zu Berlin (April 2019)